Kol 1

Kol



Der Brief an die Kolosser ist während der römischen Gefangenschaft im Jahre 61/63 entstanden. Paulus mahnt die Kolosser, sie möchten sich doch nicht durch Irrlehrer vom wahren Evangelium abwendig machen und sich nicht durch Anschluß an die Geisterwelt und auch nicht durch eine falsche Aszese irremachen lassen.

Gruß - Paulus und Christus

1 Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, und Timotheus, der Bruder,
2 an die heiligen und christusgläubigen Brüder zu Kolossae. Gnade werde euch zuteil und Friede von Gott, unserem Vater [und dem Herrn Jesus Christus].
3 Wir danken Gott und dem Vater unseres Herrn Jesus Christus allezeit, wenn wir für euch beten.
4 Wir hörten ja von eurem Glauben in Christus Jesus sowie von eurer Liebe gegen alle Heiligen.
5 Ihr übet diese um der Hoffnung willen, die für euch in den Himmeln hinterlegt ist, von der ihr schon durch das wahre Wort des Evangeliums vernommen habt.
6 Dieses ist ja auch zu euch gelangt, wie es in der ganzen Welt zu finden ist und Früchte trägt und wächst, wie bei euch von dem Tage an, da ihr es gehört und Gottes Gnade in Wahrheit erkannt habt,
7 Sowie ihr von unserem lieben Mitknecht Epaphras unterrichtet worden seid. Er ist für euch ein treuer Diener Christi;
8 er ist es auch, der uns von eurer Liebe im Geiste berichtet hat.
9 So hören wir auch seit dem Tage, da wir dies vernommen haben, nicht auf, für euch zu beten und zu flehen, ihr möchtet voll Erkenntnis seines Willens werden in aller Weisheit und in geistigem Verständnis;1
10 ihr möchtet dann in allen guten Werken Früchte bringen und so durch die Erkenntnis Gottes wachsen,
11 mit aller Kraft begabt, entsprechend seiner so erhabenen Macht. Dann werdet ihr alles mit Geduld und Langmut ertragen
12 und auch dem Vater freudig dafür danken, daß er uns fähig machte, am Erbe seiner Heiligen im Lichte teilzunehmen.
13 Er hat uns der Gewalt der Finsternis entrissen und in das Reich seines vielgeliebten Sohnes versetzt.
14 In ihm haben wir Erlösung [durch sein Blut], die Nachlassung der Sünden.
15 Er ist das Abbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung;2
16 denn in ihm ist alles erschaffen, was in den Himmeln und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es nun Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Kräfte. Das alles ist durch ihn und für ihn erschaffen;
17 er selber ist jedoch vor allem, und alles hat in ihm Bestand.
18 Er ist das Haupt des Leibes, der Kirche; er ist der Anfang und der Erstgeborene von den Toten, um so den Vorrang in allem zu besitzen.3
19 Und Gott gefiel es, daß die ganze Fülle in ihm wohne,
20 und er durch ihn das All auf ihn hin versöhne, was auf Erden und im Himmel ist, indem er durch sein Blut am Kreuze Frieden stiftete.
21 Auch euch, die ihr einst Gott entfremdet, ihm feindlich gesinnt wart durch eure bösen Werke,
22 hat er in seinem Fleischesleib jetzt durch den Tod versöhnt, um euch heilig, fehlerlos, untadelig vor ihm darzustellen.
23 Doch müsset ihr im Glauben unverrückbar fest gegründet sein und dürfet von der Hoffnung des Evangeliums nicht lassen. Ihr habt es vernommen; es ist ja in der ganzen Schöpfung unterm Himmel schon verkündet worden, und ich, Paulus, ward sein Diener.
24 So freue ich mich der Leiden für euch, und ich ergänze an meinem Leibe für seinen Leib, die Kirche, was den Leiden Christi mangelt.4
25 Ich ward ihr Diener kraft des Amtes, das mir Gott zu eurem Nutzen übertragen hat. Ich sollte Gottes Wort durchweg verkünden,
26 das Geheimnis, das seit Zeit und Ewigkeit verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen geoffenbart worden ist.
27 Gott wollte ihnen zu wissen tun, wie wunderreich dieses Geheimnis bei den Heiden ist: Christus in euch als Hoffnung der Verklärung.
28 Ihn künden wir, indem wir jeden Menschen mahnen, in aller Weisheit jeden Menschen lehren, um so jeden in Christus vollendet darzustellen.
29 Dafür nun leide ich und streite ich in seiner Kraft, die mächtig in mir wirkt.
1 Die Kenntnis des göttlichen Willens und das Wachsen in dieser Erkenntnis ist ausschlaggebend, aber auch vollauf genügend.
2 "Christus ist als Erstgeborener aller Schöpfung vor allen Geschöpfen." Hl. Auselmus; ähnlich schon Tertullian.
3 Die Kirche ist der geheimnisvolle Leib Christi, ein Bild der inneren und äußeren Einheit trotz aller Mannigfaltigkeit.
4 Die Leiden der Gläubigen fließen der ganzen Kirche zu; sie sind -vermöge der Einheit mit Christus- Christi Leiden. Hl. Chrysostomus. Aus diesem Gnadenschatz schöpft die Kirche, wenn sie Ablässe erteilt.