Tob 1

Tob



Dies Buch Tobit führt uns in den engeren Kreis der Familie und ist das schönste Zeugnis jüdischen Familienlebens. Die jüdische Familie als Hort treuer Anhänglichkeit an die väterliche Religion darzustellen, ist geradezu der Zweck, den sich das Buch vorsetzt. Im Mittelpunkt der Frömmigkeit steht Barmherzigkeit. Damit verbindet sich die pünktliche Erfüllung der mannigfachen Kultpflichten. Höchstes Gewicht wird auf das Gebet gelegt. Diese intensive Gebetsfrömmigkeit ist der lebendige Ausdruck des Gottvertrauens.



Tobits Frömmigkeit

1 Das Buch der Geschichte Tobits, des Sohnes Tobiels, des Enkels Ananiels, des Sohnes Aduels und Enkels Gabaels aus Asiels Sippe aus dem Stamme Naphtali.1
2 Er wurde in Gefangenschaft geschleppt in den Tagen des Assyrerkönigs Salmanassar, aus Tisbe rechts von Kades Naphtali in Galiläa oberhalb Hasor.
3 Ich, Tobit, wandelte auf den Pfaden der Gerechtigkeit und Wahrheit all meine Lebenstage. Ich spendete auch viel Almosen meinen Brüdern und dem Volk, das mit mir ins Assyrerland nach Ninive gezogen war.2
4 Noch war ich in der Heimat, im Lande Israel, in meiner Jugend; da war auch meines Ahnen Naphtali gesamter Stamm schon abgefallen von dem Hause zu Jerusalem, das auserwählt war aus allen Stämmen Israels, damit hier alle Stämme opferten. Geheiligt war ja auch das Heiligtum, des Höchsten Wohnung, für alle die Geschlechter ewiglich erbaut.
5 Und alle die Stämme, die da mit ihm abgefallen, sie opferten dem Baalskalbe, auch meines Ahnen Naphtali Geschlecht.
6 So zog ich, ganz allein oft, zu den Festen nach Jerusalem, wie es dem ganzen Israel durch ewige Verordnung vorgeschrieben, mit Erstlingen und Zehnten aus den Felderträgen und mit der Schafschur Erstlingen. Ich lieferte sie an die Priester, an die Aaronssöhne, ab für den Altar.
7 Von allen Erzeugnissen gab ich den Levisöhnen, die zu Jerusalem den Dienst versahen, ihren Zehnten. Danach verkaufte ich den zweiten Zehnten, zog hin und verbrauchte ihn alljährlich zu Jerusalem.
8 Den dritten gab ich, wem er zukam, so, wie Debora, meines Vaters Mutter, anbefohlen, als ich von meinem Vater als Waisenkind zurückgelassen ward.
9 Und als ich Mann geworden, nahm ich die Anna mir zum Weib aus unserem väterlichen Stamme und zeugte mit ihr den Tobias.
10 Wir wurden fortgeführt nach Ninive. Da aßen alle meine Brüder von den Speisen der Heiden, auch die aus meinem Stamme.
11 Ich aber hütete mich vor dem Essen,
12 da ich an Gott aus ganzem Herzen dachte.
13 So gab der Höchste mir vor Salmanassar Ansehen und Gnade. Ich ward sein Einkäufer.3
14 So reiste ich nach Medien und übergab dem Gabael, dem Bruder des Gabrias, in Medien zu Rages zehn Talente Silber.
15 Doch Salmanassar starb. Da ward sein Sohn Sennacherib an seiner Stelle König. Doch seine Wege wurden unsicher. So konnte ich nicht mehr nach Medien reisen.4
16 Ich hatte in des Salmanassar Tagen an meine Brüder sehr viel Almosen verteilt.
17 Mein Brot gab ich den Hungrigen, den Nackten Kleider. Erblickte ich aus meinem Stamme einen Toten, der hinter Ninives Gemäuer hingeworfen war, dann begrub ich ihn.
18 Und wenn Sennacherib, der König, nach seiner Flucht aus Juda einen tötete, begrub ich ihn ganz heimlich. In seinem Unmut brachte er gar viele um. Und wurden von dem König die Leichname gesucht, so fand man sie nicht mehr.
19 Doch einer von den Niniviten ging und zeigte es dem König an, daß ich es sei, der sie begrabe. Und ich versteckte mich. Und ich erfuhr, daß man zum Tod mich suchte. So floh ich voller Furcht.
20 Da ward all mein Besitz geraubt, und mir blieb nichts als Anna, meine Frau, sowie mein Sohn Tobias.
21 Noch waren fünfzig Tage nicht vergangen, als ihn seine beiden Söhne erschlugen. Sie flohen in die Berge Ararats. Da ward sein Sohn Assarhaddon an seiner Stelle König. Er setzte meinen Brudersohn, den Sohn des Anael, Achiachar, dem ganzen Rechnungs- und Verwaltungswesen seines Reiches vor.
22 Zu meinen Gunsten bat Achiachar. So kam ich wiederum nach Ninive. Achiachar war nämlich Mundschenk, Siegelwahrer und Verwalter und Rechnungsprüfer. Ihn stellte Assarhaddon auf den zweiten Platz. Er aber war mein Neffe.
1 Der hebräische Urtext ging verloren. Hieronymus übersetzte aus einem aramäischen Text. Die griechischen Texte weichen untereinander ab. Diese Übersetzung beruht auf B (Cod. Vat.).
2 B läßt Tobit in dritter Person reden. Die Wegführung fiel ins Jahr 708 v.Chr.
3 V "der König gab ihm das Recht, sich nach Belieben frei zu bewegen".
4 Salmanassar = Sargon i.J. 705.